Was ist Daytrading?

Taucht man etwas ab in die Tiefen des Internets, die sich mit Finanzen befassen, dann stößt man unweigerlich auf den Begriff Daytrading. Doch was ist Daytrading? Und warum (das nehmen wir gleich mal vorweg) solltest du davon die Finger lassen? Das klärt dieser Artikel.

In diesem Artikel klären wir:

  • Was ist Daytrading?
  • Welche Gefahren lauern?
  • Kann man der Werbung vertrauen?

Was ist Daytrading – Definition

 

Direkt zu Beginn: Nur weil beides an der Börse gehandelt wird, hat Daytrading nichts, aber auch gar nichts mit normalem langfristigen Investieren in Aktien zu tun, das wird oft verwechselt.

Golf hat mit Fußball außer dem Rasen schließlich auch nix gemeinsam.

 

Der Begriff Daytrading setzt sich aus den Wörtern „day“ und „to trade“ zusammen und kann folglich etwa mit „Tageshandel“ übersetzt werden.

Gemeint ist damit das Kaufen und Verkaufen von bestimmten Wertpapieren an einem einzigen Tag.

Dies kann von Kauf zu Verkauf teilweise in Milisekunden geschehen, so dass das Wertpapier nur wenige Sekunden gehalten wird (sog. Hochfrequenzhandel).

Manchmal wird davon abweichend allerdings auch das „längere“ Halten von Wertpapieren über mehrere Tage noch mit Daytrading bezeichnet.

Was wird gehandelt?

Im Prinzip kann eigentlich fast alles gehandelt werden:

  • Aktien: z.B. Kauf und Verkauf der VW-Aktie an einem Tag
  • Terminkontrakte (sog. Futures) und Optionen: z.B. auf 100 Unzen Gold
  • Währungen (= Devisen): z.B. Euro, US-Dollar

Zu diesen eigentlich relativ leicht zu verstehenden (und auch praktisch sinnvollen) Dingen stehen dann so exotische, komplexe und kaum zu durchschauende Finanzderivate wie:

gegenüber, die keinen sich mir erschliessenden wirklichen Nutzen für den Privatmann haben, sondern nur zum Zocken geschaffen wurden.

Wie wird der Gewinn gemacht?

Idealerweise wird der Gewinn gemacht, wie bei allen Handelsvorgängen, egal ob es Brot, Fahrräder oder halt Wertpapiere sind: Teurer verkaufen als kaufen.

Der Unterschied zu dem „normalen“ Aktienkaufen und Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, später wieder verkaufen ist, dass innerhalb eines Tages die Schwankungen natürlich nicht so groß sein können wie über 30 – 40 Jahre.

 

Beispiel:

BMW stand 1990 bei einem Kurs von etwa 5,50 € und stieg dann trotz Finanzkrise 2007 bis 2015 auf bisher maximal knapp 115 € an.

Nicht schlecht, aus eingesetzten 1000 € wurden so über „gerade einmal“ 25 Jahre fast ca. 20900 €.

 

Solche Schwankungen sind im täglichen Handel natürlich kaum möglich. Hier liegt die Schwankungsbreite, die sogenannte Volatilität meist bei ein 1-2 %.

Kauft man nun für 1000 € Aktien und diese schwanken nur um 1 %, ist also maximal ein Gewinn von 10 € drin. Dazu kommen dann noch Tradingkosten von 5-6 € pro Order, also jeweils einmal für Kaufen und einmal für Verkaufen.

Ergebnis: Mit Glück also +/- Null, eher weniger. Gar nicht sexy und „mehr verdienen als mein Chef“, wie der Youtube-Schnösel tönt (siehe unten), tut man damit auch nicht.

Was also tun um doch sexy zu sein?

Frage: Ein Freund von dir möchte ins Kasino gehen, so richtig Monte-Carlo-Style und dort spielen, das volle Programm, Poker, BlackJack, Roulette.

Jetzt hat er aber nur 1000 €, in Monte-Carlo ein schlechtes Trinkgeld. Also geht er zur Bank und nimmt einen Kredit über 100.000 € auf, um damit im Kasino anzutanzen und zu zocken, es locken ja schließlich märchenhafte Gewinne!

Gute Idee? Natürlich nicht und jeder vernunftbegabte Mensch würde schreiend Amok laufen und seinen Freund notfalls ans Bett ketten, sollte er so einen Schwachsinn versuchen wollen.

Beim Daytrading geht das ohne Probleme, ist allgemein anerkannt und nennt sich „Hebel“ oder englisch „leverage“.

Ein Hebel bedeutet, nichts anderes, als dass du mit geliehenem Geld spekulierst.

Ein Anruf, den niemand will: Der Margin call

In der Praxis sieht das so aus, dass du lediglich eine sogenannte Sicherheitsleistung, oder auch Margin genannt, hinterlegst und dann loshebeln kannst. Hebel gibt es in verschiedenen Ausführungen meist 10:1, aber auch 50:1 und sogar 400:1 sind möglich.

Das bedeutet, dass einem 1 € Sicherheitsleistung 10 bzw. 50 oder gar 400 € zum Spekulieren gegenüberstehen.

Dadurch kann man mit 1000 € eigenem Kapital CFDs im Wert von 10.000 € bzw. 50.000 € oder 400.000 € kaufen (!!!!!!!!!!).

Das heißt, dass statt mickrigen 10 € Gewinn bei 1000 € Einsatz, 100 € bzw. 4000 € Gewinn möglich sind, bei stärkeren Schwankungen entsprechend mehr.

 

Ja geilo, Dollarzeichen in den Augen und losgehts! Nein.

 

Denn ein Hebel wirkt nicht nur in eine Richtung. Geht nämlich das Papier statt 1% nach oben, 1% nach unten haut der Hebel ebenso rein und die Sicherheitsleistung wird aufgebraucht, sprich ist futschikato.

 

Aber, das wär ja noch nicht mal das Schlimmste, okay, sind die 1000 € weg. Es wurde gezockt, es wurde verloren, schlimm genug, doch soweit okay.

 

Das Problem ist nur folgendes: Sackt der Kurs deutlich ab, also so RICHTIG deutlich, haut der Hebel nicht nur rein, sondern bricht dir bei ausreichender Größe mit der Kraft von 1000 Elefanten das Genick.

Die magischen Worte heißen hier: „Nachschusspflicht“ (englisch margin call), dicht gefolgt von „Privatinsolvenz“.

So tausendfach geschehen, als im Januar 2015 die Schweizer Nationalbank den Kurs des Franken unerwartet freigab, ihn also nicht mehr künstlich stabilisiert hat.

Dies führte zu massiven Kursschwankungen und Menschen mussten innerhalb von Minuten plötzlich Summen in Höhe von mehreren Hundertausend Euro nachschiessen.

Beispiele gefällig:

Ingenieur setzt 2800 € und verliert 280.000 €

Privatinsolvanz durch Margin call auf Schweizer Franken

Mit Hebel 400 in die Privatinsolvenz

Wie wird gehandelt?

Der Handel läuft ausschließlich elektronisch ab. Anbieter dafür sind spezialisierte Broker, die online auch mächtig die Werbetrommel rühren und sagenhafte Gewinne versprechen.

Darunter tummeln sich auch teils sehr obskure und schlichtweg betrügerische Anbieter für Privatkunden, sprich dich und mich.

 

Die Werbungen sind zum Teil so plump, dumm und reisserisch, dass man sich schon fragt, wie so etwas überhaupt Erfolg haben kann.

Da steigt zum Beispiel in einem Youtube-Video, das Werbung für eine Trading WhatsApp-Gruppe macht, ein schnöseliger Teenager aus einem fetten Mercedes und erzählt lachend wie er 60.000 € in ein paar Wochen mit CFDs verdient hat.

Die Tipps wie es geht verrät er gern und zwar in einer WhatsApp-Gruppe.

 

 

Seems legit.

 

Immerhin weist er pflichtschuldig darauf hin, dass das gesamte Kapital vernichtet werden kann (und sicher auch wird).

Unten steht dann allerdings immer noch der Titel der WhatsApp-Gruppe namens „Das will ich auch“, was dann zu folgender schönen Anordnung führt:

Was ist Daytrading
Screenshot von Youtube-Werbevideo

Ja klar, warum nicht, wer will denn schon keinen Totalverlust! Gleich mal in die Gruppe eintreten.

Auch an Webmaster werden interessante Angebote gerichtet. So kann man mit Werbung für bestimmte Broker bis zu 1000$ pro vermittelten Kunden und darüber hinaus für die Umsätze des jeweiligen Kunden Provision kassieren:

Was ist Daytrading
Screenshot von Werbeseite für Webmasterprogramme

Anmerkungen:

„CPA“ steht für „cost per action“ und bezeichnet das Honorar, das für einen Kunden bezahlt wird, der sich nach Klick auf die Werbung bei dem jeweiligen Anbieter registriert.

„Rev share“ steht für „revenue share“ und bezeichnet die Gewinnbeteiligung an den täglichen Tradinggebühren des vermittelten Kunden.

 

Was lernen wir? In dem Geschäft steckt Kohle und zwar massiv. Denn wenn ein Anbieter an den vermittler bis zu 1000$ verteilen kann, dann kann man sicher sein, dass ein xfaches davon beim Anbieter hängen bleibt.

Hmm…doch woher kommt das Geld wohl? Sicher von total erfolgreichen Hobbytradern, die locker die eingesetzte Kohle verhundertfachen und die Gewinne gerne teilen. Oder etwa nicht?

Gründe weswegen du GENAU von dem Scheiss die Finger lassen solltest:

 

1. Unüberschaubare Risiken

Die Risiken sind nicht zu steuern. Punkt. Unvorhergesehene Ereignisse wie der oben genannte „Frankenhammer“, der 11. September, Fukushima oder oder oder, reissen die Kurse ohne Vorwarnung ins Bodenlose und du hast keine Chance dagegen etwas zu machen.

 

2. Verlust des gesamten eingesetzten Kapital + unbekannte Summe X möglich

Es droht nicht nur ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals, nein es droht ein Totalverlust von ALLEM: Haus, Altersvorsorge, Erspartes, Auto, Geld des Ehepartners, ALLES.

 

3. Komplexe, kaum zu verstehende Produkte

Die gehandelten Produkte sind dermaßen abstrus, dass sie kaum einer versteht. Und ich stecke mein Geld nicht in Sachen, die ich nicht verstehe.

 

4. Keine Chance gegen die Profis

Daytrading wird zum Großteil von absoluten Vollprofis in den Großbanken betrieben oder gleich von eigenständigen Computern mit entsprechender Software.

Glaubst du ernsthaft, dass du gegen die auch nur den Hauch einer Chance hast? Abgesehen davon versenken auch die Profis regelmäßig Beträge in Höhe des Bruttoinlandprodukts so manchen Inselstaats.

 

5. Die meisten machen Verlust

Studien haben gezeigt, dass 70% der Daytrader Verluste machen. Ja, sagen da die Trading-Gurus, die habens einfach falsch gemacht, komm zu mir um es richtig zu lernen!

Nur eine Frage: Wenn es doch so geil einfach ist Millionen damit zu scheffeln, warum gibt es dann so viele Tradinglehrer, die für ein paar Kröten „ihre Geheimnisse“ lüften, statt einfach einige Millionen anzuhäufen und gut?

Fazit:

Categories: Wirtschaft

2 Comments

  1. Aber was ist jetzt der Unterschied zwischen Daytrading und dem normalen Aktienkaufen? Da zockt man doch auch darauf das die mal steigt, nur halt auf nen längeren Zeitraum.

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    • Hallo Markus!

      Danke für deine Anregung, ich gehe davon aus, dass viele so denken, deswegen habe ich extra den Satz im ersten Absatz geschrieben. Du hast schon Recht, die Absicht ist oft die gleiche: Aktien jetzt kaufen, um sie zu einem späteren Zeitpunkt teurer zu verkaufen.

      Das wars aber dann auch. Langfristig kauft man Aktien, weil man an das Unternehmen und sein Geschäft glaubt, beim Daytrading kauft man nur, weil man denkt die Schwankungen ausnutzen zu können, das Unternehmen ist völlig egal.

      Langfristiges Aktienkaufen hat also nichts mit „zocken“ zu tun, sondern mit „investieren“ im klassischen Sinne: Das Geld soll langfristig in den Aktien investiert bleiben und gegebenenfalls sogar nie mehr abgezogen, währenddessen aber Dividenden kassiert werden.

      Das sind zwei ganz unterschiedliche paar Schuhe. 🙂

      Danke für diese Anregung, kommt direkt auf die Liste der nächsten Blogbeiträge 😉

      Reply

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