Was bedeutet von der Steuer absetzen eigentlich?

Was bedeutet von der Steuer absetzen?

Vielleicht habt ihr das auch schon mal erlebt:

An der Kasse vor euch möchte jemand unbedingt eine Quittung haben, obwohl er nur ein bisschen Kopierpapier gekauft hat, am Nebentisch im Restaurant geht plötzlich eine Liste rum, in die sich alle eintragen und unterschreiben und ein Bekannter kauft einen neuen Laptop mit den Worten „Kann ich ja von der Steuer absetzen!“.

Aber was bedeutet „von der Steuer absetzen“ eigentlich genau? Kann das jeder? Und was bringt einem das?

 

In diesem Artikel lernst du:

  • Was das zu versteuernde Einkommen ist
  • Wieso Quittungen dir helfen können
  • Wieso steuerliche Absetzbarkeit nicht gleich Erstattung ist
  • Was Kohlrabi kaufen im Supermarkt damit zu tun hat

 

Bitte beachtet:

Dieser Artikel stellt keine steuerliche Beratung des Autors dar und ist weder als Rechts- oder Steuerberatung zu verstehen. Alle Information wurden sorgfältig recherchiert, dennoch können inhaltliche Fehler nicht ausgeschlossen werden. Der Autor übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der bereitgestellten Inhalte. Die Nutzung der Inhalte der Website erfolgt auf eigene Gefahr des Nutzers. Mit der reinen Nutzung der Website des Anbieters kommt keinerlei Vertragsverhältnis zwischen dem Nutzer und dem Anbieter zustande.

Es mag wie eine blöde Anfängerfrage klingen, aber viele, die meinen es verstanden zu haben, haben es eben doch nicht ganz gecheckt.

Dabei ist zum Verstehen kein Steuerfachwissen oder eine Fortbildung in Steuerrecht nötig, denn eigentlich ist es ganz einfach.

Kurze Zusammenfassung Einkommenssteuer

Was Steuern generell sind haben wir ja schon geklärt. Eine spezielle Form der Steuer sind die Einkommenssteuer.

Darunter fallen alle Einnahmen von dir, die aus einer Arbeitsstelle stammen „nicht-selbständige Arbeit“) oder aus einer Selbstständigkeit von dir (beispielsweise Promoterjobs oder Arbeiten auf Messen). Dazu kommen noch Dinge wie Mieteinkünfte oder Einkünfte aus Landwirtschaft, was auf die wenigsten von uns zutreffen wird.

Die Steuern der Einkünfte aus deinem Angestelltenjob werden das ganze Jahr über Monat für Monat von deinem Bruttoeinkommen abgezogen. Wie viel abgezogen wird hängt von deiner Steuerklasse ab, also ob du verheiratet bist oder nicht und anderen Faktoren.

Details findest du im Artikel zu brutto und netto.

Übers Jahr gezahlte Steuern sind Vorauszahlung

Viele denken jetzt, dass das reicht: Die Steuern wurden ja gezahlt und gut ist. Das ist aber nicht so. Die gezahlten Steuern sind im Prinzip nur so etwas wie eine Vorauszahlung, ein Abschlag wie beim Strom:

Du hast jeden Monat einen Abschlag in Höhe von 50 € im Voraus gezahlt und am Ende des Jahres wird der Zählerstand abgelesen und abgerechnet. Statt den von dir bereits bezahlten 600 € (12 x 50 €) wurden jedoch nur 500 € an Strom verbraucht. Daher gibts eine Rückerstattung von 100 € für dich.

 

Generell kann man sagen:

Wurde weniger verbraucht als bezahlt wurde, gibts Geld zurück (also eine Rückerstattung), andersrum muss Geld nachgezahlt werden (ähnlich ist es ja auch bei den Mietnebenkosten).

 

Übertragen auf die Steuer heißt das:

Das Ablesen und die „Abrechnung des wahren Verbrauchs am Jahresende“, das ist die Steuererklärung.

Der Wert, der am Ende als „tatsächlicher Stromverbrauch“ herauskommt, das ist das sogenannte „zu versteuernde Einkommen“.

Jahresabrechung = Steuererklärung

Tatsächlicher Jahresverbrauch an Strom = zu versteuerndes Einkommen

Wie wird das zu versteuernde Einkommen ermittelt?

Das zu versteuernde Einkommen wird ermittelt, in dem in der Steuererklärung vom tatsächlichen Bruttoeinkommen alle „steuerlich absetzbaren Kosten“ abgezogen werden.

 

Was kompliziert klingt ist ganz einfach:

 

Angenommen du verdienst pro Jahr

25.000 €

auf die du ja auch schon über die Monate verteilt deine Steuern im Voraus gezahlt hast. Pro Monat werden dir etwa 230 € Steuern abgezogen, so dass du am Jahresende etwa

2800 €

Steuern gezahlt haben wirst. Nun hast du aber auch steuerlich absetzbare Kosten (Werbungskosten) in Höhe von

1500 €

Diese werden nun von deinen 25.000 € abgezogen, um das tatsächliche zu versteuernde Einkommen zu errechnen. In diesem (sehr vereinfachten) Beispiel wäre dein zu versteuerndes Einkommen also

23.500 €

Berechnet man nun die Steuern, die für dein tatsächliches zu versteuerndes Einkommen bezahlt werden müssen, kommt man auf einen Wert von etwa

2500 €

Das bedeutet du hast über das Jahr gesehen ca. 300 € Steuern zu viel bezahlt und darfst mit einer Rückerstattung von 300 € rechnen.

Was bedeutet von der Steuer absetzen

Erläuterung:

Die erste Säule ist das Bruttoeinkommen des ganzen Jahres, wovon bereits 25% als Steuern (grün) abgeführt wurden, was in diesem Beispiel einem Betrag von 5000 € entspricht.

Durch Abzug der Werbungskosten (rot) in Höhe von 4000 € in diesem Beispiel, berechnet sich das zu versteuernde Einkommen (zweite Säule). Auch hier wird der Steuersatz von 25% angelegt und eine endgültige Steuerzahlung von 4000 € ermittelt.

Über das Jahr wurden also 1000 € Steuern zu viel gezahlt, die nun vom Finanzamt zurückerstattet werden (Steuerrückerstattung).

Zu kompliziert?

 

Ok, dann ein Beispiel aus der echten Welt:

 

Du kaufst im Supermarkt Kohlrabi ein, der nach Kilopreis berechnet wird. Das heißt je mehr die Waage anzeigt, desto teuerer wird es für dich (= Steuerbelastung).

Deshalb entfernst du am Gemüseregal alle nicht verwertbaren Blätter, so dass nur die Knolle übrigbleibt (= Steuererklärung und Abzug aller absetzbaren Kosten).

Diese wird dann gewogen und du bezahlst nur für das, was du auch wirklich nutzen kannst (= Ermittlung des zu versteuernden Einkommens).

Was kann denn überhaupt von den Steuern abgesetzt werden?

Als Faustformel kann man sich folgendes merken: Alle Kosten, die entstanden sind, um überhaupt Geld in seinem Job verdienen zu können, sind steuerlich absetzbar.

Diese Art der Kosten nennt man auch „Werbungskosten“.

Beispiele für steuerlich absetzbare Ausgaben:

  • Berufskleidung
  • Das Pendeln zur Arbeit (auch Pendlerpauschale genannt)
  • Kosten für Fortbildungen
  • Bewerbungskosten
    • Bewerbungsfotos
    • Fahrtkosten
    • Bewerbungsmappen
  • Fachbücher
  • Bürobedarf
  • Beiträge zu Berufsverbänden

Und vieles mehr.

Wenn also jemand sagt, er könne dies „von der Steuer absetzen“, dann meint er damit er kann das in seiner Steuererklärung angeben, um damit sein zu versteuerndes Einkommen zu verringern.

Dass man diese Kosten hatte weist man dem Finanzamt gegenüber übrigens mit den zugehörigen Quittungen nach, weswegen viele Menschen entsprechende Belege das Jahr über sammeln wie die Hamster.

Steuerliche Absetzbarkeit ist NICHT gleich Erstattung!

Der größte Fehler, den viele machen ist der, dass sie denken steuerliche Absetzbarkeit hieße 100% Erstattung.

Also, dass die Fachbücher für 100 € zu einer Rückerstattung von 100 € führt.

Das ist falsch!

Es führt lediglich dazu, dass dein Jahreseinkommen um 100 € verringert wird, also statt 25.000 € aus dem Beispiel von oben nur 24.900 € versteuert werden.

Das entspricht einer Steuerersparnis von etwa 25 € und nicht wie angenommen 100 €.

 

Wer also kalkuliert

Werbungskosten = Steuerrückerstattung

den muss ich enttäuschen.

 

Eher kann man so (extrem grob!) kalkulieren:

Werbungskosten x 25 % = Steuerrückerstattung

 

Die Prozentzahl entspricht dabei dem ganz persönlichen Steuersatz, der bei jeder Person anders ist. Als grobe Faustformel tuts das aber in etwa.

Ich hoffe ich konnte mit diesem Artikel über „Was bedeutet von der Steuer absetzen?“ etwas Licht ins Dunkel bringen.

Klar ist, dass so ein Grundsatzartikel keine Details klären kann. Solltet ihr Fragen zu eurer ganz speziellen und eigenen Situation haben, dann wendet euch am besten an einen Steuerberater 🙂

Anregungen, Lob oder Kritik? Dann schreibt gerne einen Kommentar!

Categories: Steuern

Leave A Reply

Your email address will not be published.