Vermögen oder Verbindlichkeit? oder: Der wichtigste Unterschied von allen

Vermögen, Investition, Ausgabe und Verbindlichkeit…kannst du diese Begriffe genau definieren? Nein? Dann solltest du diesen Artikel nicht verpassen, denn die Unterschiede zu verstehen ist eine der wichtigsten Lektionen, die es gibt.

In diesem Artikel lernst du:

  • Was der Unterschied ist zwischen Vermögen, Investitionen, Ausgaben und Verbindlichkeiten
  • Was das für deine Sachwerte bedeutet
  • Warum Statussymbole dich nicht reich sondern arm machen
  • Und wie du dieses Konzept auch auf anderen nicht-finanzielle Lebensbereiche übertragen kannst

In den Artikeln zuvor habe ich dir erzählt, wie ich am Ende eines ganzen Jahres trotz viel mehr Einkommen (im Vergleich zu meinem Studentenleben) kaum etwas sparen konnte.

Damit du nicht in die gleiche Falle tappst, habe ich dir hier und hier bereits Tips gegeben, wie du meine Fehler vermeiden kannst.

Damit sollte die Gefahr der chronischen Geldnot und dem Balancieren am finanziellen Abgrund erst mal behoben sein.

 

In diesem Artikel geht es nun darum eine der, wenn nicht sogar DIE wichtigste Unterscheidung von allen zu lernen:

Der Unterschied zwischen einem Vermögen und einer Verbindlichkeit.

Warum manche Reiche weniger Vermögen haben als du denkst

Fragt man 100 Leute auf der Straße nach Faktoren, die ihrer Meinung Reichtum ausmachen, werden mit ziemlicher Sicherheit Dinge genannt werden wie:

  • Ein (oder gar mehrere) teure Autos fahren
  • Ein großes Haus haben
  • Teure Möbel besitzen
  • Hochmoderne Technik besitzen (Heimkinoanlage, Soundsysteme etc)
  • Einen Swimmingpool sein Eigen nennen
  • Teure Designerkleidung tragen
  • In angesagten Restaurants essen
  • Nur Feinkost speisen
  • etc pp

 

Was eher nicht genannt werden wird sind folgende Dinge:

  • Große breit gestreute Aktienportfolios
  • Große Positionen an Anleihen im Depot
  • Viele vermietete Immobilien
  • Große Anteile an vielversprechenden StartUps
  • Verpachtete Ländereien
  • Große Auswahl an Buch-, Film- oder Musiklizenzen und -verwertungsrechten
  • Besitz von Patenten

Ertappt?

Nicht schlimm, das ist ganz normal, schließlich prügeln uns die Medien die Statussymbole in unzähligen Filmen, Musikvideos oder Fernsehformaten (MTV Cribs lässt grüßen) ins Hirn.

Doch das ist vor allem eins: Bullshit.

 

Denn was ist der Unterschied zwischen der ersten und der zweiten Liste?

Ganz einfach:

Alle Dinge in Liste 1 KOSTEN Geld, sie sind Verbindlichkeiten.

Alle Dinge in Liste 2 BRINGEN Geld, sie sind Vermögen im klassischen Sinne.

Oder anders ausgedrückt:

Alle Dinge, die mehr kosten als sie einbringen sind Ausgaben, wohingegen alle Dinge, die mehr einbringen als sie kosten Investitionen sind.

Gewinn und Kosten der angesprochenen Verbindlichkeiten und Vermögen

Kosten: Versicherung, Sprit, Wartung, Reparatur, Wertverlust(!)*

 

*Ausnahme: Kauf von entsprechenden Oldtimern (extremes Fachwissen vorausgesetzt!!) mit späterem gewinnbringendem Verkauf, dann keine Ausgabe, sondern Investition

Kosten: Grundsteuer, Reparaturen, Wartung, Renovierung, Nebenkosten**

 

**Natürlich spart man bei einer eigenen Immobilie die Miete, dennoch ist in den meisten Fällen selbstgenutztes Wohneigentum teurer als gemietetes; weiterhin ist hier ja die Rede von einem besonders GROSSEN Haus

Kosten: Wertverlust; Möbel, Technik und Kleidung sind nach ein paar Jahren quasi nichts mehr wert

Gewinn: Dividenden/Zinszahlungen, Kursgewinn***

 

***Selbstverständlich können die genannten Vermögenswerte im Wert schwanken, insbesondere Wertpapiere wie Aktien oder Anleihen sind hier sehr anfällig, nichtsdestotrotz ist die Gesamtbilanz bei richtiger Herangehensweise positiv, das heißt sie bringen mehr ein als sie kosten

Gewinn: Mietzahlungen/Pacht, Wertsteigerung

Gewinn: Dividenden, Wertsteigerung

 

Beispiel: Link

Gewinn: Lizenzgebühren, Verkauf der Patente

Beispiel: Link, Link

Was bedeutet das konkret?

Lass es mich mal ganz plakativ sagen: Leute mit dicken Autos, großen Häusern, teuren Designerklamotten und viel teurem Technik-Schnick-Schnack sind nicht reich, WEIL sie diese Dinge haben, sondern OBWOHL sie diese Dinge haben.

Denn diese Dinge tragen nicht dazu bei den Reichtum zu vermehren, im Gegenteil, sie reduzieren ihn.

Denn während Investitionen ausschwärmen, neue Euros rekrutieren und mit ihnen wieder zurückkehren, sind Ausgaben einfach weg.

Vermögen

Was bedeutet das für dich?

Lass mich zunächst einmal klarstellen, was es NICHT bedeutet: Es bedeutet nicht auf alles zu verzichten und ein Leben in selbstgewählter Armut zu führen.

Es bedeutet auch nicht jeden Euro 10 mal umzudrehen. Denn wenn man nicht hin und wieder auch etwas ausgibt, wozu spart man dann?

Nein, wichtiger ist einfach folgendes: Mach dir jedes Mal, wenn du Geld ausgibst klar, ob du a) gerade eine Ausgabe oder b) eine Investition tätigst.

Sind Ausgaben nun tabu?

Nein, es geht viel mehr darum, sich klar zu machen, dass all diese Dinge nicht dazu führen, dass du glücklicher bist.

Im Gegenteil, dieser Effekt hält nur ganz kurz an, das ausgegebene Geld ist aber dauerhaft weg.

Vielmehr ist ein Mindset wichtig, das dazu führt, dass jede Ausgabe, die du tätigst eine bewusste Entscheidung ist. Das heisst du machst dir vorher genau klar, was du grade wofür ausgibst und entscheidest dich bewusst dazu diesen Betrag an diese Sache auszugeben.

Das dürfen auch gerne hin und wieder objektiv „sinnlose“ Ausgaben sein wie Markensneaker oder Technikspielereien, solange du dich bewusst entscheidest und dann die Dinge ganz bewusst geniesst.

 

Ein Beispiel:

Jahrelang war ich fasziniert von den Noise Cancelling Kopfhörern von Bose*. Jedes Mal, wenn ich in einem Shoppingcenter mit Bose-Shop war, verbrachte ich mindestens eine Viertelstunde damit meinen MP3-Player (ja, sowas gabs damals noch) anzustöpseln und im Laden stehend meine Musik zu hören und den perfekten ungestörten Klang zu geniessen.

Die Kosten waren vollkommen utopisch in meiner Studentenzeit und auch später war ich eigentlich nicht bereit soviel Geld für eine Sache auszugeben. Lange hab ich gehadert, mich dann aber doch dazu entschlossen einen mittelfristigen Topf dafür anzulegen.

Mittlerweile habe ich die Kopfhörer fast 1 1/2 Jahre und es ist fast kein einziger Tag seitdem vergangen, an dem ich sie nicht genutzt habe, selbst gerade, als ich diese Zeilen tippe höre ich damit Musik.

Teuer? Aber sicher. Objektiv sinnlos? Sowas von. Hat es sich trotzdem gelohnt? Jeder Euro.

Investitionen im übertragenen Sinn

Dass ein vermietetes Haus Geld einbringt ist ganz objektiv und für jeden verständlich.

Aber wie sieht es mit Investitionen aus, die nicht ganz offensichtlich sind?

 

Fortbildungen

Fortbildungen machen dich auf dem Arbeitsmarkt attraktiver und spielen daher langfristig über höhere Gehälter ihre Kosten wieder ein.

Das beginnt mit deinem Schulabschluss und endet bei Personalführungsseminaren für Topmanager.

 

Bücher

Lehr- und Sachbücher können die besten Investitionen sein, die es gibt. Manche Bücher helfen dir derart dabei dich weiterzuentwickeln, dass sie ihre Kosten zum Teil millionenfach (buchstäblich) wieder einspielen können.

 

Reisen

Hast du keinen Blick über deinen Tellerrand hinaus, bringen alle Fortbildungen, Bücher und Input gar nichts.

Zudem kann man auf Reisen neue Sprachen lernen, die sich neben dem tollen Effekt, dass du jetzt spanisch, französisch oder isländisch sprechen kannst, auch gut im Lebenslauf machen.

Daher ist Reisen eine der besten Investitionen, die du machen kannst.

 

Urlaub

Ja, richtig gelesen. Denn wer arbeitet muss auch Urlaub machen, wer das versäumt, der kann langfristig keine 100% mehr leisten und/oder ein Burnout.

Und was sind schon 500 € für einen Urlaub, wenn man damit die zumindest zeitweise Berufsunfähigkeit aufgrund eines Burnout abwehren kann?

 

Zeit für sich und den Partner

Eine stabile Beziehung zu sich und zu seinem Partner trägt einen Großteil dazu bei, dass du beruflich 100% geben kannst.

Demnach ist eine ausgeglichene Beziehung zu deinem Umfeld eine klassische Investition.

 

Sport und Gesundheit

Hier gilt das Gleiche, wie oben, denn nur gesund kannst du alles geben.

Die Anwendung des Prinzips auf das ganze Leben

Du merkst die Idee von „mehr rauskriegen, als man reinsteckt“ zieht sich durch viele Lebensbereiche. Idealerweise verinnerlichst du sie so, dass du sie auf so gut wie alle Situationen anwendest:

  • Jemand zieht dich in einem Gespräch mit seiner Negativität runter? Dann brich es ab.
  • Jemand verlangt immer nur Hilfe von dir, ist aber nicht bereit selbst was zurückzugeben? Dann hilf nicht mehr.
  • Du merkst, dass du beim sinnlos Rumzappen im TV immer dümmer wirst? Dann lass es und lies ein Buch.
  • Rumhängen in Social Media (abgesehen von unserer Facebook-Community ;)) bringt dir nix mehr, sondern kostet nur Zeit? Dann lass es sein.

 

Bitte: Das bedeutet nicht, dass du den Ego-Trip fahren und alles nur nach seinem Nutzen für dich persönlich abchecken sollst.

Denn das gute Gefühl jemandem geholfen zu haben, kann schliesslich auch eine gute Investition sein, selbst wenn man die Person nie wieder sieht.

Vielmehr soll es dir helfen den unkontrollierten Verlust von Ressourcen zu bremsen und dein Denken so zu verändern, dass statt die ständigen Abflüße von Ressourcen zu einem Zufluß von Ressourcen werden.

 

Hast du das verstanden, bist du schon besser dran als der Großteil aller Leute. Versprochen.

Anregungen, Fragen oder Kritik zum Thema „Vermögen vs. Verbindlichkeit“? Dann nichts wie rein in die Kommentare!

Categories: Persönliche Finanzen

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